Chronik 1844 - 1994 

                                    Auszüge aus der Vereinschronik

 

Anlässlich des 150-jährigen Jubelfestes, das 1994 gefeiert wurde, galt es Rück- schau zu halten in die vergangene Zeit.  

 

Leider ist aus den ersten Anfängen des Vereins nur wenig schriftlich überliefert. Schon in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts hatten sich sangesfreudige, junge Männer der Gemeinde Glandorf zusammengeschlossen, um das hohe Kulturgut, den Chorgesang, zu pflegen und durch Darbietungen in der Öffentlichkeit, insbe-sondere das deutsche Volkslied, der Nachwelt zu erhalten.  

 

Im Jahre 1844 gründete der musikbegabte Lehrer Carl Peters aus Glane, der an der Nachmittagsschule in Glandorf angestellt war, den „Männergesangverein Sän- gerlust". Dieses ist das offizielle Gründungsjahr des jetzigen "MGV Sängerlust und Cäcilienchores Glandorf". Bereits im Gründungsjahr sang der Verein zu Ostern und Weihnachten in den Festgottesdiensten und bei sonstigen kirchlichen Anläs- sen. Das Begräbnissingen wurde gegen ein geringes Entgelt (15 Mark) alsbald allgemeiner Brauch. Das Vereinslokal war zunächst im Hause des Präsidenten Julius Winterberg (heute Stapenhorst) über der Gastwirtschaft im ersten Stock. In jedem Jahre fuhr man auf bekränzten Leiterwagen in die schöne Umgebung, nach Bad Rothenfelde und Iburg, nach Füchtorf und Vinnenberg. In der Weihnachtszeit wurde Theater gespielt, erst im damaligen Saale Brandes, im früheren Posthaus (jetzt Hörstkamp), dann von 1899 an abwechselnd im Saale Alex Herbermann und Brandes. Im Laufe dieser Jahre hatte der Küster und Organist Peters - das Antrittsjahr ist nicht genau überliefert - die Dirigentenstelle übernommen. Unter seiner Leitung konnte der Gesangverein im Jahre 1864 das 50-jährige Priesterju-biläum des Dechanten L. Hülster - er war von 1813 bis 1823 Schulvikar in Laer und dann 44 Jahre Pfarrer in der Gemeinde Glandorf - am 22. September 1882 das 50-jährige Priesterjubiläum des Schulvikars Bick und am 19. September 1887 dessen 50-jähriges Jubiläum als Lehrer und Seelsorger feierlich mitgestalten.  

 

Das 50-jährige Bestehen des MGV "Sängerlust" im Jahre 1894 wurde auf dem Hannemannschen Hofe (jetzt Siedlungsgebiet), unter Anteilnahme zahlreicher Nachbarvereine festlich begangen. Stolz feierte man die neue Fahne Männer-Gesang-Verein Sängerlust, 1844 - 1894 "Aus freier Brust ein freier Klang, bleibt Sängers Lust sein Leben lang".   

 

Das Sängerfest 1899 des "Sängerbundes Osning" fand am Sonntag, dem 18.06. auf dem Gerwesmannschen Hofe statt. Zehn Vereine: Bürger-Gesang-Ver- ein Hagen, MGV Borgloh, Concordia Remsede, MGV Glane, Harmonia Oesede, Loreley Lienen, Cäcilia Laer, MGV Hohne, MGV Iburg und MGV Sängerlust Glan- dorf, sechs Gastvereine aus Westfalen: MGV Warendorf, Concordia Osterweg, MGV Füchtorf, Sängerlust Handorf, Eintracht Ostbevern, Cäcilia Westbevern und Abordnungen der Gesangvereine Sängerbund Ostbevern, Eintracht Hilter, Ein- tracht Sassenberg und MGV Rothenfelde nahmen daran teil. Für 21 Mitglieder und für die Glandorfer Bürger war dieses Fest ein stolzes und freudiges Ereignis. Unstimmigkeiten hatten im Jahre zuvor, also 1898, zur Spaltung des Vereins ge- führt. So war zum Zeitpunkt des "Bundessängerfestes" ein neuer Dirigent, Schulte Seurling aus Milte, eingesprungen. Dann übernahm Lehrer Bick, der Neffe des 1882 geehrten Schulvikars Bick, die Stabführung. Als er 1908 zum Niederrhein versetzt wurde, sprang wiederum Schulte Seurling als Dirigent ein.  

 

Der erste Weltkrieg brachte den Verein zum Erliegen. Unter Hauptlehrer Bernhard Beckmann erblühte er 1918 wieder zu neuem Leben. Jahr für Jahr wurden die Sängerfeste der näheren Umgebung besucht und die alte Tradition des Vereins weitergeführt. Das Sängerlokal bei Winterberg mußte 1922 nach Torbeck verlegt werden, von hier zog der Verein zu Gülker-Forsthoff, und als Gülker-Forsthoff am 02.10.1937 abbrannte, zu Kreimer bis zum Jahre 1939, nach dem 2. Weltkriege zuh F. Wilh. Gülker. Ab 1931 bis zu seiner Versetzung nach Gellenbeck im Jahre 1931 übernahm Hauptlehrer Engelhardt die Leitung des Chores, danach wurde Josef Buller aus Sudendorf der Dirigent. Während dieser Zeit war aus der Jüng- lingssodalität ein zweiter Verein, der MGV "Liederkranz" entstanden. Der Grün- dungstag war der Palmsonntag 1922. Die Leitung hatte bis zum Frühjahr 1925 Pastor Köster, danach dirigierte Josef Buller auch diesen Verein. Präsident war bis zum Jahre 1930 Josef Recker, Sudendorf, danach Ferdinand Hagedorn. Die Sängerfeste 1929 in Glane, 1930 in Remsede, 1931 in Sutthausen wurden be- sucht, und auf dem Liederwertungssingen 1933 in Haste errang man den 7. Preis. Auch auf den Cäcilienfesten in Oesede 1934, Glandorf 1935, Georgsmarienhütte 1936 und Wellingholzhausen 1937 stellte der Verein sein Können unter Beweis.  

 

Während des zweiten Weltkrieges ruhte die Tätigkeit, denn die Mehrzahl der Sän- ger war zum Heeresdienst eingezogen worden; viele ließen im Kriege ihr Leben.  

 

Nach dem Kriege wurde die Tätigkeit der Vereine verstärkt wieder aufgenommen. Am 9. Oktober 1947 feierte der MGV "Liederkranz" seine 25-jährige Jubelfeier und im nächsten Jahre, am 24. Oktober 1948 fand das sehr gut besuchte Konzert unter Mitwirkung der Vereine MGV Glane und MGV Schwege im Saale Alex Her- bermann statt. 1949 besuchte der Verein die goldene Jubelfeier in Müschen, 1950 das Sängerfest in Wellendorf und 1951 die 60-jährige Jubelfeier in Iburg.  

 

Am 21. Februar 1951 wurde auf einer Versammlung beschlossen, den alten Ver- ein MGV "Sängerlust" und den jüngeren Verein MGV "Liederkranz" zu einem Ver- ein zusammenzuschließen. Der Zusammenschluss erfolgte am 10. Juni 1951 un- ter dem traditionsreichen Namen „MGV Sängerlust"; ebenso wurde die alte Ver- eins-fahne übernommen. Als Liedervater (1. Vorsitzender) wurde Ferdinand Ha- gedorn gewählt. Im Jahre 1952 führte der Verein das Theaterstück "Hochzeit mit Erika" im Saale Alex Herbermann auf. Im gleichen Jahre nahm er an der 40-jähri- gen Jubelfeier in Glane und am 60-jährigen Jubiläum in Oesede teil. Der erste größere Ausflug konnte vorgenommen werden und zwar zur Gruga (Blumenaus- stellung) nach Essen. 1953 besuchte der Verein die 75-jährige Jubelfeier in Wel- lingholzhausen, das 100-jährige Jubiläum in Füchtorf und die goldene Jubelfeier in Lienen.  

 

Seit dem 1. April 1953 ist der MGV "Sängerlust" Mitglied des "Deutschen Sänger-bundes". Da das 100-jährige Bestehen im Kriegsjahr 1944 nicht gefeiert werden konnte, wurde die 110-jährige Jubelfeier des Vereins zu einem überwältigenden Erfolg. Am 22. Mai 1954 fand im Festzelt auf dem Reckelerschen Hofe, zusam- men mit dem EAW Quartett Osnabrück, unter der Leitung der Dirigenten Hermann Bäumer aus Glandorf (er war auf Bitten des Vereins für den etwa 6 Wochen vor dem Fest erkrankten Dirigenten Josef Buller eingesprungen) und dessen Bruder Paul Bäumer aus Osnabrück, ein sehr gut besuchtes Doppelkonzert statt; eben- falls nahm der sehr bekannte Meppener Kinderchor, unter Leitung des Dirigenten Fritz Helmkamp daran teil. Am Sonntag, dem 23. Mai, folgte sodann nach Fest- gottesdienst, Gefallenenehrung und Festumzug durch die Gemeinde, ein Groß- konzert, an dem 25 Vereine aus der nahen und weiteren Umgebung teilnahmen. Diese Tage waren ein überragen- des, kulturelles Ereignis für die Gemeinde, für den ganzen Sängerkreis und darüber hinaus für alle beteiligten Vereine und Gäste. 

 

In den folgenden Jahren wurde, ermutigt durch das gelungene Jubiläumsfest, je- weils ein Konzert eingeübt und im Saale Alex Herbermann vor zahlreichen Zuhö- rern im September bzw. im Oktober vorgetragen. Am 22. Mai 1955 nahm der Ver- ein am Bezirkssängerfest in Osnabrück (Schweizer Haus) teil und am 25. Sept. 1966 am Kreischorfest im Osnabrücker Stadttheater, jeweils unter der Leitung des Chordirigenten Paul Bäumer. Von 1956 - 1966 hatte sich Hermann Bäumer als Dirigent zur Verfügung gestellt. Unter seiner Leitung fand am 20. Januar 1957 ein Chorkonzert im Saale Alex Herbermann statt, am Klavier begleitet von Josef Mid- delberg. Weitere Konzerte und Gastauftritte bei Nachbarvereinen wurden in den Folgejahren mit großem Erfolg unter seiner Leitung durchgeführt.  

 

Ein besonderer Höhepunkt in der Geschichte des Vereins war die Verleihung der Zelterplakette am 26. Mai 1957. Aus der Hand des amtierenden Bundespräsi-denten Theodor Heuß konnte der damalige Vorsitzende des Vereins, Ferdinand Hagedorn, diese Auszeichnung persönlich in Bonn in Empfang nehmen.  

 

Im Jahre 1958 wurde Clemens Fentker zum 1. Vorsitzenden des Männergesang-vereins gewählt. Aus Anlass des 120-jährigen Bestehens hatte der Verein am 10. Juni 1964 seine Mitglieder und Freunde zu einem festlichen Abend ins Vereins- lokal Gülker eingeladen. Da Hermann Bäumer aufgrund einer komplizierten Ope- ration die Dirigentenstelle nicht mehr weiter ausüben konnte, übernahm sein Bru- der Paul Bäumer aus Osnabrück von 1966 - 1971 dieses Amt. Unter seiner Diri- gentschaft feierte der Verein am 30. und 31. August 1969 sein 125-jähriges Jubi- läum auf dem Hofe des Bauern Herbermann-Reckeler in Glandorf, unterstützt, auf dem Kommersabend am 30. August, vom Kirchenchor "St. Josef" Osnabrück, vom Männergesangverein KKV "Osning" Osnabrück und vom MGV "Stahlwerk" Osnabrück. Zum Freundschaftssingen am 31. August waren 17 Vereine erschie- nen: MGV Harmonia Glane, MGV Concordia Remsede, MGV Müschen, MGV Bad Rothenfelde, Pfarrcäcilienchor Sassenberg, MGV Lienen, MGV Germania-Con- cordia Dissen, MGV Bad Iburg, MGV Sängerbund Ostbevern, Kirchenchor Milte, MGV Dütetal Wellendorf, MGV Heimatfrieden Hankenberge, Kolpingverein Sen- denhorst, MGV Eintracht Hilter, MGV Concordia Greven, MGV Sängerlust Sutt- hausen und der MGV Hagen. An diesem Tage unterstützt von der Betriebskapelle Faust und dem Fanfarenzug Sassenberg wurde auch dieses Jubiläum zu einem überwältigenden Erfolg.  

 

Am 31. März 1971 wurde August Scheckelhoff zum neuen Vorsitzenden gewählt. Mit ihm wurde gleichzeitig Günter Heider, damaliger Gemeindedirektor von Atter, als Dirigent verpflichtet. Leider starb er schon bald durch einen tragischen Ver- kehrsunfall am 20. November 1972.  

 

Als neue Dirigentin wurde Frau Gottlöber aus Glandorf eingestellt, die dieses Amt in vorbildlicher Weise ausübte. Zahlreiche, mit viel Einfühlungsvermögen einstu-dierte Konzerte wurden unter ihrer Stabführung aufgeführt. Unvergessen die Kon- zerte unter dem Motto "Um die Welt geht unser Lied", am 22.11.1976, und unter dem Motto "Musik erfüllt das Leben", am 25.11.1978, jeweils im Saale Herber- mann. Sie leitete den Chor aufopferungsvoll bis Ende August 1982.  

 

Vom 3. September 1982 an verpflichtete der Verein den jungen, dynamischen Di- rigenten Paul Rammler aus Warendorf. Das 140-jährige Bestehen konnte unter seiner Leitung nicht im Jahre 1984 gefeiert werden, da er kurz vor dem festge-setzten Termin erkrankte. Daher wurde es im Jahre 1985 nachgeholt. Das am 26. April 1985 unter seiner Leitung durchgeführte Kirchenkonzert, die Schubert Messe Nr.2 in G-Dur, zeugte von neuem Schwung und präziser Einarbeitung, ebenso die Darbietung von Spirituals und Gospelgesängen unter dem Motto "Oh Happy Day" in der St. Johannis-Pfarrkirche Glandorf, am 27. April 1985. Aufgrund seiner be- ruflichen Versetzung nach Xanten am Niederrhein konnte er leider nur bis zum  31. März 1986 den Chor leiten.  

 

Bis zur Neuverpflichtung des Dirigenten Ralf Kötting aus Emsdetten, am 05. No- vember 1986 sprang in dankenswerter Weise Frau Gottlöber als Dirigentin noch- mals ein. Unter ihrer Leitung sang der Verein auf dem 60-jährigen Bestehen des MGV "Neue Liedertafel" Lengerich-Intrup, am 07. Juni 1986, und auf dem 90-jäh- rigen Jubelfest des MGV Borgloh, am 31. August 1986.  

 

Unter der Leitung des Dirigenten Ralf Kötting fand das erste gemeinsame Konzert aller Glandorfer Chöre am 21. November 1987 im Saale Herbermann statt. Außer dem MGV "Sängerlust und Cäcilienchor" nahmen teil: der "Jugendchor Glandorf " unter der Leitung Maria Brockmeyers, und der Chor "Sine Nomine" unter abwech-selnder Leitung von Maria Brockmeyer, Ludger Lefken und Petra Schulke. Am 18. Dezember 1988 wurde in der Glandorfer Pfarrkirche ein geistliches Konzert, unter Mitwirkung des Mandolinenchores Emsdetten feierlich gestaltet und unter dem Motto "Melodien, die jeder kennt", am 23. Oktober 1989, ein weiteres Konzert un- ter seiner Leitung erfolgreich durchgeführt. Auch auf zahlreichen Jubiläen anderer Vereine sang der Verein während seiner Dirigentenzeit: am 17. Mai 1987, 75 Jah- re MGV Harmonia Glane; am 05. Sept. 1987, 100 Jahre MGV Bad Rothenfelde; am 12. Juni 1988, 100 Jahre Eintracht Hilter; am 25. Sept. 1988,  40 Jahre Land- jugend Glandorf und am 10. Sept. 1989, 90 Jahre MGV Teutonia Müschen. Leider mußte auch er den Verein am 14. Juni 1991 aus beruflichen Gründen verlassen.  

 

Bereits am 03. Juli 1991 wurde ein neuer, junger Dirigent verpflichtet, Ulli Mette aus Warendorf, ein Klaviervirtuose und Schwärmer für Oper und Operette. Er lei- tete den Chor bis Juli 1995. Unter seiner Leitung wurde am 13. Juni 1992 auf dem 80-jährigen Jubiläum des MGV Harmonia Glane, am 20. Dezember 1992 auf dem feierlichen 40-jährigen Priesterjubiläum des Glandorfer Pastors Johannes Under-brink, und mehrmals beim Open-Air-Singen des MGV Harmonia Glane gesungen. Ein besonderer Höhepunkt war das hervorragend einstudierte Chorkonzert, unter Beteiligung einiger Solisten aus Warendorf und des Glandorfer Chores "Crescen- do", am 28. November 1992 im Saale der Gastwirtschaft Buller, ein Konzert mit Liedern aus Opern, Operetten und Musicals.  

 

Neben der Pflege des Gesanges stand im Verein von jeher die Förderung der Ge- selligkeit und des Frohsinns mit im Vordergrund. So wurden schon bald nach dem 2. Weltkriege alljährlich gemeinsame, unvergessene Fahrten jeweils in September oder Oktober durchgeführt, im Maimonat ein feuchtfröhlicher Maigang unternom- men und viele Jahre lang im Januar ein vereinsinternes Kappenfest (eine kleine Karnevalsfete) gefeiert. Die großartigen Veranstaltungen der vergangenen Jahr- zehnte, die gelungenen Auftritte in der Heimatgemeinde und in der näheren Um- gebung, sowie der Gesang bei festlichen Gottesdiensten, fanden bei allen Mitglie- dern und Freunden großen Anklang. Ein großer Dank gilt daher vor allem allen Dirigenten und den jeweiligen Vorständen des Vereins, die dieses ermög-lichten. Ihre Namen werden in guter Erinnerung bleiben.  

 

Der "Männergesangverein und Cäcilienchor" Glandorf ist sich seiner Aufgaben stets bewusst geblieben, er ist, was er sein wollte:  

 

Ein Hort der Pflege des Gesanges und eine Stätte der Geselligkeit. Diesen Idealen auch in der Zukunft nachstreben zu können, ist sein Ziel. 

 

Bernhard Beckmann, 2. Schriftführer

 

Die Chronik wird zurzeit fortgeschrieben bzw. aktualisiert; die aktuelle Fassung wird in Kürze veröffentlicht!